
Alte Leitungen, Schraubsicherungen und zu wenige Steckdosen: In vielen Altbauten ist die Elektrik älter als die Bewohner. Wir zeigen, woran Sie eine veraltete Installation erkennen, wie eine Erneuerung abläuft und mit welchen Kosten Sie rechnen sollten.
Warum alte Elektrik ein Thema ist
Viele Installationen in Häusern und Wohnungen aus den 1950er- bis 1970er-Jahren wurden für einen ganz anderen Alltag geplant: ein Kühlschrank, ein Fernseher, ein paar Lampen. Heute laufen Induktionsherd, Geschirrspüler, Trockner, Computer und oft auch eine Wallbox oder Wärmepumpe. Alte Leitungen und Sicherungen sind dafür häufig nicht ausgelegt. Hinzu kommt, dass Isolierungen mit den Jahrzehnten spröde werden und ältere Anlagen oft keinen Fehlerstromschutz haben. Beides erhöht das Risiko für Stromschläge und Kabelbrände.
Warnzeichen: Woran Sie eine veraltete Installation erkennen
- Schraubsicherungen: Porzellansicherungen zum Eindrehen statt Leitungsschutzschaltern im Sicherungskasten deuten auf eine sehr alte Anlage hin.
- Kein FI-Schutzschalter: Fehlt im Verteiler ein Fehlerstromschutzschalter (FI bzw. RCD), schaltet die Anlage bei einem Körperschluss nicht schnell genug ab.
- Zweiadrige Leitungen: Haben Steckdosen keinen Schutzkontakt oder sind Leitungen nur zweiadrig ohne eigenen Schutzleiter, entspricht das nicht mehr dem heutigen Stand der Technik.
- Stoff- oder Gummiummantelung: Sehr alte Leitungen sind teils noch mit Stoff oder Gummi isoliert, das brüchig wird.
- Häufig auslösende Sicherungen: Fliegt die Sicherung regelmäßig, wenn mehrere Geräte laufen, sind die Stromkreise überlastet.
- Warme Steckdosen oder Brandgeruch: Das ist ein Alarmsignal. Lassen Sie die Anlage dann umgehend von einem Elektrofachbetrieb prüfen.
- Mehrfachsteckdosen überall: Wer in jedem Raum Verteilerleisten braucht, hat schlicht zu wenige Anschlüsse.
Eine allgemeine Pflicht, eine alte, aber zum Errichtungszeitpunkt fachgerecht gebaute Anlage nachzurüsten, gibt es für selbst genutztes Wohneigentum in der Regel nicht. Sobald Sie jedoch umbauen oder neue Stromkreise anlegen, müssen diese dem aktuellen Stand der Normen entsprechen. Ein Elektro-Check durch einen Fachbetrieb schafft Klarheit, wie es um Ihre Anlage steht.
Teilerneuerung oder komplett neu?
Nicht immer muss alles raus. Ist die Verkabelung in gutem Zustand und hat einen Schutzleiter, kann es genügen, den Verteiler zu modernisieren, FI-Schutzschalter nachzurüsten und einzelne Stromkreise zu ergänzen, etwa für Küche oder Bad. Bei sehr alten Leitungen, fehlendem Schutzleiter oder einer ohnehin geplanten Kernsanierung ist eine komplette Neuinstallation meist die bessere Wahl. Denn wenn Wände ohnehin geöffnet und neu verputzt werden, ist der zusätzliche Aufwand für neue Leitungen vergleichsweise gering.
So läuft die Erneuerung ab
- Bestandsaufnahme: Der Elektrofachbetrieb prüft Zählerschrank, Verteiler, Leitungen und Erdung und bespricht mit Ihnen, was erneuert werden muss.
- Planung: Gemeinsam legen Sie fest, wo Steckdosen, Schalter, Lampenauslässe und Netzwerkdosen hinkommen. Denken Sie auch an künftige Verbraucher wie Wallbox, Wärmepumpe oder Photovoltaik.
- Schlitze und Leitungen: Im Altbau werden Schlitze in Wände und Decken gefräst oder gestemmt, Dosen gesetzt und neue Leitungen verlegt. Das ist der staubigste Teil der Arbeiten.
- Verteiler und Zählerschrank: Der neue Unterverteiler bekommt Leitungsschutzschalter und FI-Schutzschalter. Muss der Zählerschrank erneuert werden, ist das mit dem Netzbetreiber abzustimmen.
- Verputzen und Anschließen: Nach dem Verputzen der Schlitze werden Schalter, Steckdosen und Leuchten montiert.
- Prüfung und Protokoll: Zum Abschluss misst der Betrieb die Anlage durch und übergibt Ihnen ein Prüfprotokoll. Bewahren Sie es gut auf.
Arbeiten an der Elektroinstallation gehören in die Hände eines eingetragenen Elektrofachbetriebs. Eigenleistung ist eher bei vorbereitenden Arbeiten möglich, etwa beim Ausräumen, Abdecken oder späteren Streichen, und nur nach Absprache.
Mit welchen Kosten Sie rechnen sollten
Die Kosten hängen stark vom Zustand des Gebäudes, der gewünschten Ausstattung und dem Aufwand für Stemm- und Putzarbeiten ab. Für eine komplette Erneuerung im Altbau werden häufig etwa 60 bis 150 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche genannt. Für eine Wohnung mit 80 Quadratmetern ergibt sich damit grob eine Spanne von rund 5.000 bis 12.000 Euro. Eine gehobene Ausstattung mit vielen Anschlüssen oder ein Bussystem für Smart Home kann deutlich darüber liegen.
- Ausstattung: Jede zusätzliche Steckdose, jeder Stromkreis und jede Netzwerkdose kostet extra.
- Bausubstanz: Harte Wände, Stuckdecken oder Denkmalschutz machen die Arbeiten aufwendiger.
- Zählerschrank: Muss er erneuert werden, kommen spürbare Kosten hinzu.
- Nebenarbeiten: Verputzen, Malerarbeiten und gegebenenfalls Bodenarbeiten werden oft separat berechnet.
Holen Sie mehrere Angebote ein und achten Sie darauf, dass die Leistungen vergleichbar beschrieben sind. Wie Sie Angebote richtig prüfen, lesen Sie in unserem Beitrag Wie finden Sie den richtigen Handwerker?
Sinnvoll kombinieren
Die Elektrik ist eines der ersten Gewerke einer Sanierung, weil Leitungen in Wänden und Böden verschwinden, bevor Putz, Fliesen und Bodenbeläge kommen. Planen Sie eine Badsanierung, neue Böden oder eine Komplettsanierung, sollte die Elektrik deshalb gleich mit auf die Liste. Mehr zur richtigen Reihenfolge finden Sie in unserem Artikel Vor der Sanierung und im Lexikon unter Elektrik erneuern.
Nächste Schritte
Wenn Ihre Elektrik eines der genannten Warnzeichen zeigt oder ohnehin eine Sanierung ansteht, lohnt sich ein genauer Blick. Mit unserem Elektrik-Rechner erhalten Sie in wenigen Minuten eine erste Kostenschätzung. Über More at Home finden Sie anschließend geprüfte Elektrofachbetriebe in Ihrer Region, die Ihre Anlage begutachten und ein passendes Angebot erstellen.



